Landwirtschaft in der Region um Kapiri
Nsima, fodya und shava - Maisbrei, Tabak und Erdnüsse,
die Landwirtschaft bei Kapiri
Projekte in der Region um Kapiri

Es gibt zwei Projekte, die in der unmittelbaren Region um das Krankenhaus Kapiri die Ernährungssituation der Bevölkerung durch die Unterstützung der Landwirtschaft verbesssern: das Abwenzi-Projekt, und ein Projekt der Entwicklungshilfeorganisation Concern Worldwide (www.concern.net). Beide Projekte sind an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet und werden vor Ort in Zusamenarbeit mit dieser durchgeführt. Dies ist auch der Grund für den Erfolg und den Fortschritt, der im Bereich der Ernährungssicherung erreicht werden konnte.

Abwenzi - Freunde

Gegründet wurde das Abwenzi-Projekt im Jahr 2002. Ursache war die starke Hungersnot die der Dürre im Jahr 2001 gefolgt war. Die Krankenhausleitung entschloß sich mit Hilfe von Spendengeldern aus Spanien und dieses Vereins, ein Projekt zu entwickeln, welches in Zukunft Hungersnöte von einem solchen Ausmaß verhindern soll. Sie nannten das Projekt "Abwenzi", Chichewa für "Freunde". In dieser Bezeichnung spiegelt sich erneut die Art der Beziehung zwischen den Weißen und den Einheimischen in Kapiri wider.

Ziel des Abwenzi-Projekts ist die Nahrungssicherung. 250 Subsistenzlandwirte, sogenannte "beneficiaries", wurden von der Krankenhausleitung für die Teilnahme am Projekt ausgewählt. Darunter befinden sich vor allem Menschen, die es schwerer haben, sich aus eigener Kraft ausreichend zu ernähren und die stärker von Dürren betroffen sind als ihre Mitbürger: alleinerziehende Mütter, kranke oder alte Menschen. Diese erhalten zu Beginn der Regenzeit kostenlos 15 kg Mais- und 10 kg Buschbohnensaatgut sowie Mineraldünger. Das Saatgut stammt von hochwertigen Sorten, die bei entsprechender Düngung mehr Ertrag bringen als einheimische Sorten.

Vier vom Krankenhaus eingestellte Bauernberater betreuen die Beneficiaries, kontrollieren aber auch, daß das Saatgut gesät und nicht zu Essen verarbeitet wird, wie es einige Male schon vorgekommen sein soll. Die Felder werden regelmäßig besucht, und der Ertrag eines jeden Landwirtes aufgrund der Anzahl der ausgesäten Pflanzen geschätzt. Eine je nach Wachstumsbedingungen jährlich neu festgesetzte Menge der Ernte muß an das Krankenhaus abgegeben werden. Ein Teil davon wird verkauft um neues Saatgut und Dünger für das nächste Jahr zu kaufen, der andere Teil wird im Lagerhaus nahe des Krankenhauses gespeichert, um in Dürrezeiten an die Bevölkerung ausgegeben werden zu können.

Die vier Berater betreuen die Beneficiaries des Abwenzi-Projektes (von links: Steven, Alfred, Graciano und Jaros). Mit Fahrrädern als Tranportmittel erreichen sie selbst die Bewohner in den entlegensten und unzugänglichsten Gegenden. Die Fahrt dauert aber oft so lange, daß manchmal pro Tag nicht mehr als zwei bis drei Beneficiaries besucht werden können.

Es ist wichtig, einen Teil der Ernte zurückzuverlangen, damit die Beneficiaries Anstrengungen zeigen die Felder zu bewirtschaften, um selbsständig für Nahrung zu sorgen und zusätzlichen Gewinn zu erzielen. Sie sollen unter den günstigen Rahmenbedingungen die ihnen die Krankenhausleitung im Gegensatz zur freien Wirtschaft gibt, lernen ökonomisch zu wirtschaften. Damit möchte das Krankenhaus den Weg der "Hilfe zur Selbsthilfe" einschlagen. Begleitend zur Ausgabe von Saatgut und Dünger wurden am Rande einiger Dörfer bereits Wasserpumpen gebaut, damit in der Trockenzeit die Felder in den Dambos (feuchteres und fruchtbareres Land) bewässert werden können.

Dieses Photo zeigt ein ungedüngtes Maisfeld zur Erntezeit. Der Besitzer des dieses Feldes wird keinen Ertrag erzielen und somit weder Mais zum Essen noch Saatgut für das kommende Jahr haben werden.

Im Frühjahr 2004 wurde das Projekt neu überdacht und weiterentwickelt: Beneficiaries, welche ihre Felder gut bestellt und sich sorgfältig um diese gekümmert haben, indem sie regelmäßig Unkraut entfernt haben, sollen für ihre höheren Ernten mit Saat- und Pflanzgut von Früchte tragenden Bäumen wie dem Mandarinenbaum und der Papaya sowie mit Ziegen belohnt werden und damit einen Anreiz zu weiterer Antrengung erhalten. Auch sollen ausführlichere Aufzeichnungen über die einzelnene Felder der Beneficiaries gemacht werden, um den tatsächlichen Ertrag besser bestimmen zu können. Das Projekt ist noch sehr jung, und es besteht weiterhin Verbesserungsbedarf. Im Mais gibt es nach wie vor Ausfälle durch Schadinsekten wie Termiten und Maiszünsler, und die Bohnen geben nicht den optimalen Ertrag, wenn sie zur Blüte von Trockenheit betroffen waren. Es soll außerdem ein einheimischer Agraringenieur eingestellt werden, welcher anstelle der Ärztin Maria-Josè Carrasco das Projekt leiten kann.

Landwirtschaftsprojekt von Concern Worldwide

Als ein von Experten aufgebautes Projekt, ist das Landwirtschaftsprojekt von Concern Worldwide ausgereifter als das vom Krankenhaus geleitete Abwenzi-Projekt. Das Projekt baut auf einer viel komplexeren Struktur auf und umfaßt eine größere Fläche. Die unterstützte Region ist in drei Zonen unterteilt: die "northern zone" (die Gegend um die Stadt Kasungu im Norden von Kapiri ), die "central zone" (um die Stadt Mchinji gelegen) und die "southern zone" (südlich von Mchinji). Jede Zone ist in "Cluster" (Teilregionen) unterteilt: die nördliche Zone in 5 Cluster, die zentrale und südliche in jeweils 11. In jeder dieser Teilregionen befindet sich eine bestimmte Anzahl an sogenannten "Clubs", die der Anzahl an Dörfern entspricht. Vier Dorfbewohner, die von der gesamten Dorfgemeinschaft ausgesucht worden sind, stellen auf freiwilliger Basis eine Art Gremium dar, welches sich um die Nahrungssicherung in dem jeweiligen Dorf kümmert. Das Gremium setzt sich zusammen aus einem Vorsitzenden, einem Schriftführer und zwei Landwirtschaftsberatern: einer davon kümmert sich um den Bereich der Tier-, der andere um den der Pflanzenproduktion. Ein wichtiges Merkmal einer jeden Teilregion ist, daß ein Dorf eine Beispielsfunktion für die anderen Dörfer einnimmt. Ihre beiden Beauftragten in der Tier- und Pflanzenproduktion werden direkt von den drei einheimischen Agraringenieuren, welche bei Concern Worldwide angestellt sind, unterrichtet und geben ihr Wissen in den wöchentlichen Versammlungen mit den anderen Dörfern weiter. Die Vertreter der Teilregionen treffen sich monatlich, um sich in ihren Erfahrungen auszutauschen.

Wie beim Abwenzi-Projekt liegt der Schwerpunkt in der Nahrungssicherung. Im Folgenden die wesentlichsten Punkte des Projektes:

Problematik der Landnutzung bei Kapiri

Beireits oben wurden einige Male sowohl der Tabak- als auch der Maisanbau kritisiert. Hier soll auf beide Formen der Landnutzung genauer eingegangen werden. Gerade aufgrund der großen Armut, der Mangelernährung und dem geringen Bildungsniveau der Bevölkerung konnten sich hier Probleme entwickeln und leider immernoch fortbestehen.

Tabak

Mais

Im tropischen südlichen Afrika beträgt der Anteil an Tabak an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche etwas mehr als 2%. In Malawi wird Tabak vor allem im zentralen Landesteil angebaut.
  • Die Anbaufläche von Tabak steigt in Malawi jährlich um ca. 4,0%, die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche dagegen nur um ca. 2,4%. Um also neue Flächen zu gewinnen wird Trockenwald, der sogenannte "miombo" gerodet. In Malawi hat diese Entwaldung zur Gewinnung von Tabakanbauflächen ein kritisches Maß erreicht.*

  • Damit die Tabakblättern besonders viel Nikotin eingelagern, werden spezielle Anbaumethoden angewandt. Dabei steigt der Nährstoffedarf der Pflanze. Deswegen muß sehr viel Mineraldünger ausgebracht werden oder die Böden laugen aus. Geschieht das, wird auf bisher unbebaute Flächen ausgewichen, was eine neue Rodung von Wald zur Folge hat.*

  • Bei der Herstellung von Tabak werden enorme Mengen Holz verbraucht. Bei ca. 73% der in Entwicklungsländern angebauten Tabakgesamtmenge werden die Blätter über Feuer getrocknet ("fire-cured tobacco"). Für die Lufttrocknung werden die Trockengerüste und Unterstände ebenfalls aus Holz gefertigt. Der jährliche weltweite Holzverbrauch für die Herstellung von Tabak betrug zwischen den Jahren 1990 und 1995 allein für die Trocknung und für den Bau der Trocknungsanlagen durchschnittlich 19,9 Kubikmeter Holz pro eine Tonne Tabak. Der gesamte Holzverbrauch (inklusive Rodung) wird auf 200 000 ha jährlich geschätzt.*

  • Zentralmalawi hat ein eher trockenes Klimas, welches sehr günstig für den Anbau von Tabak ist. Aber gerade diese Region stellt ein besonders labiles Ökosystem dar. Ein Verlust der Bodenfruchtbarkeit durch den Entzug von Nährstoffen und durch Erosion (bedingt durch die Umwandlung von Wald zu Ackerfläche) ist kaum wiederherstellbar. Wertvolle Fläche für den Anbau von Nahrungsmitteln geht für die Bevölkerung verloren.*

  • Die Armut der Menschen ist ein Anreiz, Tabak anzubauen, da die Nachfrage danach vorhanden und die Bezahlung gut ist. Laut einigen Malawiern ist der Tabakanbau allerdings eine Minusrechnung. Die Kosten für das Saatgut und für den Dünger sollen die Einnahmen nicht decken. Dies ist leider für einen Großteil der analphabetischen Bevölkerung nicht erkennbar, und auch diejenigen die lesen und schreiben können führen in den seltensten Fällen Buch über ihre Einnahmen und Ausgaben. Diejenigen Malawier, die um diese Sache wissen, weichen daher eher auf den Handel mit Tabak aus, als ihn selbst anzubauen.

Leider fördert die globale Politik auch hier die Mißstände in den Entwicklungsländern. So hat die Weltbank im Süden Malawis die Rodung natürlich gewachsener Waldflächen veranlaßt, um Tabakfarmen und die Städte mit Holz zu versorgen. Aufgrund ungüstiger Tabakpreise stieg die Entwaldung in der ökologisch labilen Region extrem an. Jetzt werden auf der ehemals von einheimischen Baumarten bewachsenen Fläche schnellwachsende und nicht einheimische Arten, wie zum Beispiel Eukalyptus angebaut. Eukalyptus hat einen sehr hohen Wasserbedarf und entzieht den tieferen Bodenschichten wertvolles Speicherwasser.*

    Waldrodung im Süden Malawis

Getreide macht den größten Teil der pflanzlichen Produktion in Malawi aus. Es folgen Wurzel- und Knollenfrüchte (z.B. Cassava), dann Leguminosen (z.B. Bohnen). Im Wirtschaftsjahr 2004/05 machte Mais 93% der Getreidefläche aus.

Mais wird in Malawi zu Beginn der Regenzeit, Anfang November, ausgesät. Den ersten Monat ist der Wasserbedarf der Pflanzen noch sehr gering, steigt aber dann stark an. Ausreichend Wasser bis drei Wochen nach der Blüte ist notwenig für die Ausbildung der Kolben.

In den letzten Jahren sind die Niederschläge immer unregelmäßiger geworden. Zu Beginn der Regenzeit fallen sie stärker als gewohnt aus, um dann schon im Januar abrupt nachzulassen. Darin liegt die Gefahr, daß die Erde durch die große Wassermenge verschlämmt und die Saat schlechter auskeimt oder daß die jungen Pflanzen mit der erodierten Erde weggeschwemmt werden. Hatte der Mais aber gute Wachstumsbedingungen und konnte er sich etablieren, kann die Ausbildung der Kolben in einem späteren Wachstumsstadium durch den Mangel an Wasser stark beeinträchtig werden.

Starker Regen führt zu Erosion. Zu Beginn der Saat ist der fruchtbare Oberboden zwischen den Maisreihen noch mehr dem Regen ausgesetzt, und wird davongeschwemmt.

Die FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations) und das WFP (World Food Programme) berichten in ihrem Bericht* über die Landwirtschaft und Versorgungslage in Malawi für das Wirtschaftsjahr 2004/05 von 26% geringeren Erträgen bei Mais als im Vorjahr. Bei den Wurzel- und Knollenfrüchten fiel die Ernte um 9% geringer aus. Diese benötigen ebenfalls ausreichend Wasser zur Blüte und zur Zeit der Fruchtausbildung, sind darin aber weniger empfindlich als Mais. Dies gilt besonders für Cassava und die Erdnuß. (*FAO/WFP Crop and Food Supply Assessment Mission to Malawi, 20 June 2005).

Wie die Karmeliterinnen im Abwenzi-Projekt, so unterstützt auch die EU und andere Hilfsorganisationen die Landwirte in Mangelzeiten mit Mais- und Bohnensaatgut sowie Mineraldünger. Das Maissaatgut sind in der Regel Hybridsorten. Diese entstammen einer Kreuzung aus zwei Inzuchtlinien und bringen bei der ersten Ernte sehr hohe Erträge. Werden die an ihnen gebildeten Körner allerdings für die darauffolgende Saat genutzt, so fallen die Erträge rapide ab. Damit werden die Landwirte in einer Abhängigkeit gehalten, und haben keine Möglichkeit, auf den Kauf von neuem Saatgut zu verzichten. Saatgutfirmen wie Monsanto verdienen dagegen an diesem System. Ein weiterer Nachteil dieses Saatgutes ist der hohe Nährstoffbedarf, der durch die hohen Erträge bedingt wird. Dies wiederum kurbelt den Import von Düngemitteln nach Malawi an. Bei mangelndem Wissen in der Landbevölkerung über die Plazierung und Terminierung des Düngers kann dieser ausgewaschen oder nicht von den Pflanzen aufgenommen werden. Verspätete Düngelieferungen in den Jahren 2004 und 2005 waren mitschuld an den hohen Ernteausfällen.

Eine Studie* im Osten Sambias hat gezeigt, daß Mais in Agroforstsystemen mit Leucaena leucocephala, Sesbania sesban und anderen Baumarten weniger Schäden durch Termitenbefall aufzeigt als mit Mineraldünger bestellter Mais in Monokulturen.

*(SILESHI G., MAFONGOYA P.L., KWSIGA F., NKUNIKA P. (2005). Termite damage to maize grown in agroforestry systems, traditional fallows and monoculture on nitrogen-limited soils in eastern Zambia. Agricultural and Forest Entomology, Vol. 7 (1): 61-69).

Starker Termitenbefall in einigen Feldern in der Region um Kapiri führt zu hohen Ernteverlusten.

Die mit einem Stern (*) gekennzeichneten Absätze enthalten Informationen aus dem Artikel "Global Assessment of deforestation related to tobacco farming" von Helmut J. Geist, erschienen in Tobacco Control (1999), Vol.8, Seite 18-28.

(http://tc.bmjjournals.com/cgi/content/full/8/1/18)

Während in Industrienationen der Gebrauch von Mineraldünger und Hochleistungssaatgut durch das fundierte Wissen der Landwirte über die Anwendung von Dünger, durch ausreichend Niederschläge und fruchtbare Böden gerechtfertigt sein kann, so muß in den Entwicklungsländern über Maissaatgut nachgedacht werden, das resistenter gegenüber Tockenheit ist, einen geringeren Nährstoffbedarf hat und auch im Nachbau genügend Ertrag bringt. Eine Propagierung von Saatgut und Düngemittel von marktführenden Firmen, spekulierend auf zukünftigen Handel, sollte nicht als Entwicklungshilfe dargestellt werden. Entwicklungshilfe sollte derart funktionieren, daß sie sich selbst überflüssig macht.
Wie hilft unser Verein?

Wir unterstützen Charity Chimpamba durch Finanzierung der Studiengebühren in ihrem Studium am Agriculture College in Lilongwe. Sie ist die Tochter des Paares Chimpamba, welches seit vielen Jahren als medizinisches Personal im Krankenhaus angestellt und zur Nothilfe bei der Hungesnot im Jahr 2001 den Anstoß und einen sehr großen Beitrag geliefert hat. Charity möchte Landwirtschaft und natürliche Ressourcen studieren, und soll für die von uns geleistete Finanzierung nach ihrem Studium für zwei Jahre die Leitung des Abwenzi-Projektes übernehmen. Dadurch bleibt die Förderung, die Charity zukommt für die Region Kapiri erhalten.

Wir wollen außerdem die Finanzierung eines weiteren Angestellten beim Projekt von Concern Worldwide übernehmen, da es sehr viel zur nachhaltigen Unterstützung der Bevölkerung und Erhaltung der natürlichen Ressource des Landes beiträgt. Inwieweit wir mit Concern Worldwide zusammenarbeiten können wird derzeit mit der Agraringenieurin Stella Kachoka abgesprochen, die seit letztem Jahr eine Stelle in der Zentrale der Organisation in Lilongwe innehat.

Wie können Sie helfen?

Achten Sie beim Kauf von Lebensmitteln, die in Entwicklungsländern hergestellt wurden oder Bestandteile enthalten, die dort erzeugt worden sind auf ein Etikett, was auf fairen Handel hinweist. Die meist etwas teuren Produkte sind es wert: Landwirte, die für einen solchen Handelspartner produzieren verpflichten sich zur Einhaltung von bestimmten Vereinbarungen wie zum Beispiel dem Verzicht auf synthetische Dünge- und Spritzmittel und Kinderarbeit. Ihre Waren gelangen nicht erst über mehrere Händler in die Regale europäischer Geschäfte, so daß ihnen ein Preis gezahlt werden kann, der die Produktionskosten deckt und darüber hinaus einen Gewinn erbringt. Die Kleinbauern verpflichten sich diese Gewinne für den Fortschritt in ihrer Gemeinschaft und in ihrer landwirtschaftlichen Praxis zu verwenden.

Wenn Sie uns mit einer Spende unterstützen wollen, sind wir Ihnen im Namen der Einheimischen sehr dankbar. Es geht bei alldem um nichts anderes als um sie...

Kontakt

Autor: Irene Stenzel

Mai 2006

Mais und Tabak sind die Hauptfeldfrüchte malawischer Bauern. Mit der Konzentration auf lediglich zwei Feldfrüchte haben sich die Bauern Probleme eingehandelt: der erhöhte Druck von Krankheitserregern und Schadinsekten, wie er auch in den Monokulturen der Industrieländer zu finden ist; die starke Auslaugung des Bodens durch den hohen Nährstoffbedarf von Mais-Hochleistungssorten; das Risiko eines Totalausfalls der Ernte und damit des Hauptnahrungsmitels, wenn die Witterungsbedingungen für den Mais ungünstig sind; und die unzureichende Versorgung mit Eiweiß allein durch Nsima (Maisbrei) von der vor allem Kinder betroffen sind. Um dem vorzubeugen wird die in der Landwirtschaft arbeitende Bevölkerung animiert viele verschiedene Feldfrüchte anzubauen: Erdnüsse, Buschbohnen, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Cassava, Sojabohnen, Tomaten und andere. Dadurch erhöht sich die räumliche Entfernung der jeweils mit der gleichen Frucht bebauten Felder, und es wird Krankheitserregern und Schadinsekten die Verbreitung erschwert. Erst eine Vielfalt der Feldfrüchte ermöglicht eine nachhaltige Fruchtfolge. Da jede Kulturpflanze unterschiedliche Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und im Verlauf ihres Wachstums an die Witterungsbedingungen hat, ist für jeden Ernteausfall einer Frucht die Absicherung mit anderen Feldfrüchten gegeben. Schließlich wird durch zusätzliche Feldfrüchte eine ausgewogene Versorgung mit Mineralstoffen, Vitaminen, Eiweißen und Fetten gesichert.
Malawi ist sich durchaus der Problematik der einseitigen Ernährung mit Maisbrei bewußt und in einem Artikel in der "Nation" vom 14. April 2004 fragt man sich besorgt: "Ist Nsima die einzige Nahrung?"

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Je mehr Feldfrüchte angebaut werden, desto öfter müssen sie abwechselnd auf einem Feld angebaut werden (Fruchtfolge). Die Landwirtschaftsberater unterrichten die Bevölkerung in den Vorteilen einer zeitlich und räumlich gut durchdachten Fruchtfolge. Wieder wird der Befall mit Krankheitserregern und Schadinsekten gemindert und die Kulturen ergänzen sich gegenseitig in ihren Ansprüchen an Boden und Wasser. Wesentliches Element einer Fruchtfolge sind Pflanzen der Ordnung der Leguminosen, welche mit Hilfe von Bodenbakterien Stickstoff (das wichtigste Nährelement für Pflanzen) aus der Luft aufnehmen können. Sie werden noch grün in den Boden eingearbeitet, und dort von Mikoorganismen zersetzt. Dabei wird der gebundene Stickstoff für nachfolgende Ackerpflanzen frei. Diese benötigen dann weniger oder gar keinen Mineraldünger. Zur Demonstration der Wirkung verschiedener Anbaumethoden und Leguminosenarten hat Concern Worldwide bei ihrem Sitz in Nthema ein Versuchsfeld angelegt.

Diese Leguminose wird als Kalongonda oder Mukuna bezeichnet.
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Unter Mischanbau versteht man den zeitgleichen oder zeitlich leicht versetzen Anbau von zwei oder mehr Feldfrüchten auf dem gleichen Feld. Die Vorteile liegen zum einen in der besseren Ausnutzung natürlicher Resourcen wie Wasser und Sonnenlicht, da die Pflanzen verschiedene Ansprüche oder verschiedene morphologische Eigenschaften besitzen (z.B. unterschiedlich lange Wurzeln, die zur Wasseraufnahme verschiedene Bodenschichten erreichen), zum anderen aber vor allem in der Unterdrückung von Unkräutern. So werden bei Kapiri zum Beispiel folgende Formen von Mischanbau betrieben: Leguminosen (z.B. Tephrosia vogelli) unter Mais zur Unterdrückung des Unkrautes "witch-weed" (ein Braunwurzgewächs der Art Striga), zur Anreicherung von Stickstoff durch die Leguminose und zur Minimierung von Erosion (Bodenabtrag). Oft findet man auch einen Mischanbau von Tabak und Kürbis. Eine weitere Möglichkeit des Mischanbaus bietet die Kombination von Bäumen und krautigen Pflanzen wie sie im Absatz zur Agroforstwirtschaft genauer beschrieben wird.
Mischanbau von Tabak und Kürbis.
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Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus ausdauernden Holzpflanzen und krautigen Pflanzen (Feldfrüchte oder Weidepflanzen) oder in Kombination mit Nutztieren. Dabei wird entweder zeitlich oder räumlich rotiert, oder die Bewirtschaftungsformen finden gleichzeitig statt. Daraus ergeben sich vielfältige Vorteile für die Pflanzen, das Agrarökosystem und folglich für den Landwirt (www.agroforestry.org). In der Region um Kapiri liegt der Schwerpunkt im direkten Nutzen der Bäume. Sie liefern Früchte (z.B. Mangos), Bau- und Feuerholz ihre Blätter dienen als Futter für Ziegen und Rinder oder als Dünger (Blätter von Bäumen der Ordnung der Leguminosen).
Bäume als Bestandteil der Dorfstruktur.
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Kompost hat viele Vorteile gegenüber mineralischem Dünger: Sein organisches Material reichert den Boden mit Nährstoffen an und stabilisiert das Bodengefüge, Erosion wird vermindert. In ihm enthaltene Kleinstlebewesen machen die Nährstoffe pflanzenverfügbar und stellen natürliche Gegner von Krankheitserregern der Feldpflanzen dar. Durch Kompost ist der Boden besser imstande Wasser und Nährstoffe zurückzuhalten. Schließlich ist er leicht selbst herzustellen und damit viel kostengünstiger als mineralischer Dünger.
Die Bewohner des Dorfes Malembo präsentieren den Aufbau eines Komposthaufen.
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In der Tierproduktion unterstützt Concern Worlwide die Bauern, indem ihnen die Grundlagen der Züchtung und Tierhaltung beigebracht und sie ermutigt werden poduktivere Tierrassen zu halten (z.B. eine Fleisch- und Legehühnerrasse). Dabei liegt der Schwerpunkt auf Kleintieren wie Geflügel und Kaninchen. Diese sind leichter zu halten und weniger anspruchsvoll als Ziegen oder Rinder.
Das Ehepaar Kazoko ist stolz auf seinen Kaninchenstall.
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In der Nutzung von Dambos liegt ein großes Potential zur Verminderung von Hungerzeiten. Sie enthalten auch in der kühleren Trockenzeit noch genug Wasser um für den Anbau von Tomaten, Paprika, Zuckerrohr und anderem genutzt werden zu können. Somit kann die Regenzeit zwichen Dezember und Febuar, in welcher sich die Hauptfrucht Mais erst im Wachstum befindet und die alte Ernte meist schon aufgebraucht ist, mit anderen Ernteprodukten überbrückt werden.
Herr June aus dem Dorf Malembo zeigt seinen Gemüse-garten, der zwischen Zuckerrohr in einem Dambo gelegen ist.
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Mit Beginn der Regenzeit verschlechtert sich normalerweise die Ernährungssituation der Bevölkerung. Zum einen wird die Nahrung knapp. Und zum anderen vernachlässigen die Kleinbauern oft ihre eigenen Felder, weil sie die Flächen von anderen Bauern bewirtschaften, die wohlhabend genug sind, um die Arbeiter mit Essen oder mit Geld zu entlohnen. Aus diesem Grund werden alle Dörfer, die von Concern Worlwide betreut werden, dabei unterstützt Getreidespeicher zu bauen. In diesen wird die Ernte des Gemeinschaftsfeldes und Teile der Ernte eines jeden Bauern des Dorfes gelagert, um Vorräte für die Regenzeit zu haben.
Die Bewohner des Dorfes Mateyu versammeln sich vor ihrem Getreidespeicher. Ganz rechts steht der Berater Jack Kennedy.
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Einer der wichtigsten Aspekte dieses Projektes ist die Stärkung der Frau in der Dorfgemeinschaft. Während sich die Männer hauptsächlich um den Verkauf von Tabak und Mais kümmern, obliegt den Frauen der Anbau von den sogenannten "minor crops" (im Erlös minderwertige Feldfrüchte), wie Erdnuß und Cassava. Diese sind allerdings für eine nachhaltige Landwirtschaft und abwechslungsreiche Ernährung sinnvoller als die beiden anderen Pflanzen, welche kosten- und arbeitsintensiv sind. Außerdem werden fast sie ausschließlich für den Eigenbedarf produziert. Nur ein sehr geringer Teil wird an den Straßenrändern verkauft, und die Einnahmen investieren die Frauen eher in Essen, Kleidung und den alltäglichen Bedarf ihrer Familie, als in Radios oder Alkohol. Zur Stärkung der Frauen gehört auch, daß sie in der Zubereitung vielseitiger Gerichte unterrichtet werden, mit welchen die Mängel einseitiger Ernährung verhindert werden können.
Links im Bild die Beraterin Stella Kachoka.
Eine der Aufgaben der Frauen im Dorf Kapundu ist das Wasserholen.
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