HIV, das Humane ImmunodefizienzVirus, ist ein Virus, das sich vor allem in bestimmten Zellen des Immunsystems vermehrt, und diese dadurch zerstört.
Es handelt sich dabei um die T-Helferzellen, die eine zentrale Schaltfunktion für Immunreaktionen haben. T-Helferzellen "entscheiden" quasi darüber, ob gegen bestimmte Erreger Antikörper oder Killerzellen gebildet werden, oder ob diese ignoriert werden. Hat ein Mensch zu wenig T-Helferzellen, kann sein Immunsystem viele eigentlich harmlose Erreger nicht mehr abwehren - es folgt ein Immunschwächesyndrom.
Im Gegensatz zu bestimmten angeborenen Defekten ist HIV ja ein Faktor, den man sich nach der Geburt zuzieht- also gewissermassen "erworben". Daher auch die Bezeichnung "erworbenes Immunschwächesyndrom" = Aquired ImmunoDeficiency Syndrome = AIDS.
Zwischen der Ansteckung mit HIV und der Erkrankung an AIDS vergehen bei Erwachsenen 2-10 Jahre, während derer sie meist gesund sind. Bei Kindern ist dieser Zeitraum deutlich geringer.
Während dieser Zeit kann das Immunsystem HIV anfangs noch kontrollieren, später vermehrt sich das Virus fast ungehemmt. Die Folge davon ist eine weitergehende Zerstörung von T-Helferzellen und zunehmende Immunsschwäche. Das Vollbild mit Gewichtsverlust, Durchfällen oder schweren bakteriellen Infektionen, das sich allmählich ausbildet, bezeichnet man als AIDS.

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Im Vergleich zu Deutschland, wo etwa 0,1% der Bevölkerung betroffen ist, hat sich HIV in den Ländern im südlichen Afrika in katastrophalem Ausmaß verbreitet. In Malawi sind etwa 15% der Bevölkerung infiziert, der Durchschnitt liegt in allen Ländern südlich der Sahara bei etwa 9%.
Warum kam es dazu?
Wir können hier leider nur einzelne Faktoren aufzählen, die die Verbreitung dort gefördert haben. Klar ist, dass heterosexueller Geschlechtsverkehr die Hauptinfektionsquelle darstellt. Was lief also in Afrika anders als hier?

  • Aufklärung: hier wurden bei Aufkommen von HIV/AIDS Aufklärungskampagnen gestartet, um das Verhalten zu beeinflussen, und damit einer Ansteckung auf diesem Wege vorzubeugen. Die Menschen in Malawi sind kaum für solche Kampagnen zu erreichen, da die meisten nicht lesen können, und kein Radio haben. Jetzt allmählich dringt die Angst vor "EDZI" (AIDS) auch in die ländlichen Regionen vor, und führt zu Verhaltenskonsequenzen. Die vorher geführten Kampagnen sind aber von vielen nicht angenommen worden. Wahrscheinlich liegt die wissenschaftliche Denkweise, die den Erklärungen zugrunde liegt, der naturverbundenen Lebensweise der Menschen sehr fern.
  • Verhalten: in den Gesellschaftsstrukturen Malawis ist die Promiskuität offiziell nicht so verurteilt, wie hier (hier wurde sie in den letzten Jahren hauptsächlich wegen HIV so verurteilt...). Der Wechsel der Ehefrau ist häufig, und viele Männer haben Zweitfrauen, wenn sie zu Wohlstand kommen. In den letzten Jahren schient dies mit dem Zerfall der traditionellen Dorfstrukturen und dem Streben nach Macht, Geld und Einfluß zuzunehmen.
  • Staat und Kirche: die betroffenen Staaten zeichnen sich meist durch eine sehr ineffiziente Verwaltung und Korruption aus, handeln also nicht primär im Sinne ihrer BürgerInnen. Die meisten Staaten haben sich lange geweigert, das Problem einzugestehen. Staaten, die seit längerem konsequente Politik betreiben, haben niedrigere Infektionsraten (z.B. Uganda), als Staaten, deren Präsidenten das Problem verleugneten oder auf andere Ursachen zurürckführten (z.B. behauptete Südafrikas Präsident Thabo Mbeki lange, AIDS sei eine Folge der Armut, nicht von HIV).
    Die Politik der katholischen Kirche, die Enthaltsamkeit vor der Ehe und Treue als Schutz vor AIDS propagiert, wäre bei absoluter Armut natürlich eine praktikable Lösung, weil dadurch keine Kosten für Kondome entstehen... Sie wird aber von vielen Menschen nicht angenommen. Ob das päpstliche Kondomverbot in Malawi große Auswirkungen hat, können wir nicht sicher beurteilen. Hilfreich ist es aber nicht.
    Tatsächlich werden von vielen Krankenhäusern Kondome an Paare ausgegeben, bei denen ein Partner infiziert ist, der andere aber nicht. Eine freie Verteilung findet bisher nicht statt.
  • Armut: ist tatsächlich ein Risiko, HIV-infiziert zu werden. Das hat einerseits mit dem Gesundheitswesen zu tun, andererseits auch mit der erreichbaren Bildung.
    Das staatliche Gesundheitswesen in Malawi ist so schlecht, dass die meisten Krankenhäuser nicht einmal dauernd HIV-Tests machen können. Zusätzlich lassen die Leute ihre Geschlechtskrankheiten nicht oft genug behandeln. Syphilis oder Gonorrhoe (Tripper) u. ä. schädigen aber die Schleimhaut der Geschlechtsorgane, und dadurch erhöht sich das Risiko enorm, beim Geschlechtsverkehr mit einem Infizierten HIV zu bekommen. Hier werden die meisten solchen Krankheiten ja sofort behandelt, da der nächste Arzt in 15 Minuten, statt 15 Stunden, erreicht werden kann.
    Ausserdem waren die Preise für die anti-HIV-Medikamente bis vor kurzem so hoch, dass sie nur in Industrieländern bezahlt werden konnten. Und ein Patient, der diese Medikamente erhält, ist auch viel weniger ansteckend...
Mavuto ya EDZI ku Malawi
Das AIDS - Problem in Malawi

und

AIDS-Behandlung für Groß und Klein

zum Kinder-AIDS-Projekt

Was sind HIV und AIDS? Klicken Sie hier, um darüber zu lesen.

Warum ist HIV in Afrika so verbreitet? Mehr...


Das AIDS - Projekt in Kapiri

HIV zerstört die T-Helferzellen, und damit das Immunsystem des Körpers. Nach einer unterschiedlich langen Zeit kann sich der Körper gegen alle möglichen, eigentlich harmlosen Erreger nicht mehr wehren: die Immunschwäche ist weit fortgeschritten, das Stadium AIDS erreicht.
In Malawi bekommen die Erwachsenen wieder häufiger Malaria, Lungenentzündungen, sie haben Durchfall über Monate hinweg, und magern drastisch ab. Viele bekommen zusätzlich Tuberkulose, was den Verlauf zum Vollbild AIDS noch beschleunigt.
Letztendlich sterben viele Erwachsene in jungem Alter, und hinterlassen die Kinder als Waisen. Oft sind die Kinder selbst bei der Geburt infiziert worden, und siechen dahin.

HIV-Infizierte können aber mit Medikamenten behandelt werden, die das Virus in seiner Vermehrung stoppen. Das Immunsystem kann sich erholen, und wieder neue T-Helferzellen bilden. Es wird schlagkräftiger, und kann viele Erreger besser bekämpfen. Die Menschen, die vorher oft abgemagert waren, nehmen an Gewicht zu, und können wieder auf ihren Feldern arbeiten.

Dieser Behandlungserfolg hält einige Zeit an. Wenn die Menschen ihre Medikamente regelmässig nehmen, können sie viele Lebensjahre gewinnen - ihre Kinder können in der Familie aufwachsen, und werden nicht zu AIDS-Waisen.

Lange waren die Medikamente astronomisch teuer. Seit wenigen Jahren sind sie aber zu Preisen verfügbar, die eine Behandlung von Menschen in armen Ländern zulassen. Seit 2001 werden in Kapiri Menschen mit diesen Medikamenten behandelt. Nach dem malawischen Recht darf bei HIV-Infizierten mit der Behandlung begonnen werden, wenn sie

  • schon sehr krank sind (Kategorie C nach CDC)
  • oder eine deutlich reduzierte Zahl von T-Helferzellen aufweisen.

Estery (2 Jahre), die mit ihrer Mutter im AIDS-Programm behandelt wird.
Eigentlich ist es eine gute Idee, die wenigen verfügbaren Medikamente denen zu geben, die sie am nötigsten haben. Leider war aber die Messung eine grosse Hürde.
Es gab nur wenige Geräte zur Zählung der T-Helferzellen im Land. Die Menschen mussten nach einer langen Wartezeit von Kapiri nach Lilongwe (in die Hauptstadt) fahren, und dort die teuere Messung (1500 Kwacha = 11 €) machen. Die meisten konnten sich Fahrt und Gebühren von vorneherein nicht leisten.
Und so blieb nur die Möglichkeit, die offensichtlich schon Schwerkranken zu behandeln. Oft mussten diese aber, wie Lesitha (links), lange wegen allen möglichen Komplikationen im Krankenhaus bleiben. Viele starben, bevor sich das Immunsystem erholen konnte, oder bekamen bösartige, unheilbare Tumoren.
In diesem Frühjahr waren bereits 40 Erwachsene in Therapie, als die Schwestern bei uns nach einem Gerät für eine solche Messung anfragten.
Mit viel Glück, viel Hilfe von einigen Gruppen, Privatpersonen und action medeor konnten wir diese Maschine für 22.000 € kaufen, und im Juni in Betrieb nehmen. Alleine bis August wurden dann 30 neue Patienten in das AIDS-Programm aufgenommen.

Dieses Gerät ist der bisher grösste Erfolg unseres kleinen Vereins.
Da die Zählung der T-Helferzellen in der Central Region bisher nur in Lilongwe und jetzt auch in Kapiri möglich ist, schicken andere Krankenhäuser ihre Patienten für die Untersuchung nach Kapiri. Wir finanzieren die Reagenzien weiter, damit diese teure Anschaffung möglichst vielen Menschen zur Verfügung steht, und die Behandlung begonnen werden kann, bevor die Menschen schwer krank sind. Bis heute wurden etwa 500 Menschen getestet.

Der Staat Malawi plant, die Medikamente für Erwachsene an die Krankenhäuser frei auszugeben. Diese Entwicklung, sollte sie tatsächlich so stattfinden, wird die Therapie noch viel mehr Menschen zugänglich machen, als bisher. Kapiri ist dafür mit seinem Labor gut gerüstet.

Mr Dindi, der Labortechniker, mit dem neuen Gerät. Bis das soweit war... Hier
Lesitha, eine weitere AIDS -Patientin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich schon etwas erholt. Wie es ihr vorher ging

Das Kinder-AIDS-Projekt

Leider sind auch Kinder die Leidtragenden der AIDS-Epidemie. Sie verlieren nicht nur ihre Eltern und weren durch die Seuche zu Waisen, sondern werden selbst bei der Geburt infiziert. Die mittlere Lebenserwartung beträgt dann nur wenige Jahre. Es wird geschätzt, dass die Hälfte der Kindersterblichkeit in Malawi (20%) mittlerweile auf AIDS zurückzuführen ist.

In Deutschland werden HIV-infizierte Kinder mittlerweile sehr erfolgreich mit HIV-Medikamenten behandelt. Die Sterblichkeit ging seit der Verfügbarkeit der jetzigen HIV-Medikamente (1996) stark zurürck, in vielen Kinder-AIDS-Ambulanzen wurde seitdem kein einziger Todesfall mehr verzeichnet. Die Behandlung von Kindern ist aber aufwändiger als bei Erwachsenen. Die Medikamente müssen als Säfte gegeben werden, und das ist für Eltern, die wie in Malawi nicht lesen und schreiben können, schwer zu lernen.

Trotzdem- auch in Kapiri haben wir daqmit begonnen. Norbert Heinrich, der 1.Vorsitzende, schaute in der Münchener Kinder-AIDS-Ambulanz etwas zu. Vom Erwerb des Geräts war noch genug Geld übrig, um Medikamente für wenige Kinder zu kaufen. Blieb noch das Problem, wie die Medikamentengabe den Eltern beizubringen sei: letztendlich markierten wir die drei verschiedenen Säfte mit unterschiedlichen Farben, und gaben dann den Eltern markierte Spritzen, mit denen sie die Menge abmessen sollen (Die Packungen sind unten links zu sehen, auf dem Bild von Kachepa).

Tikhalenawo (10 Monate) und seine Mutter. Beide sind HIV-infiziert, und werden in unserem Programm behandelt. Tikha kam wegen Untergewicht nach Kapiri, einer häufigen Folge von AIDS bei Kindern.
Die Bedingung ist, dass die Eltern motiviert sind, und das Ganze nicht kurzfristig unterbrechen. Denn: wenn die Medikamente unregelmässig gegeben werden, wird HIV schnell resistent, und die Behandlung nützt nichts mehr.

Das Ganze wurde natürlich nur möglich, weil die Idee vom Personal von Kapiri begeistert aufgegriffen wurde... (links).

Und so konnten mittlerweile sechs Kinder in das Programm eingeschlossen werden. Die Mütter und Väter werden natürlich, wenn die Krankheit entsprechend weit fortgeschritten ist, auch behandelt. So bleibt hoffentlich die Familie noch länger intakt.

Wir sind besonders stolz auf "unsere" Kinder. Danielle (6), von dem wir leider kein Photo haben, sagte: "Mit Medikamenten kann ich gut leben. Aber ohne Medikamente kann ich nicht funktionieren".

Mwaiwao (5), der bei Behandlungsbgeinn schon sehr krank war. Er litt noch länger unter Fieber und Durchfall. Wir hoffen, dass er sich mit der Behandlung erholt.
v.links n. rechts: Caroline, Norbert, Mr Malola, Mercy. Davor die Mutter eines Patienten.

Caroline und Mercy lernen die Mütter bei der Gabe der Säfte an, Mr Malola betreut die Patienten medizinisch weiter.

So stellt die weitere Finanzierung der Medikamente eine Verpflichtung für uns dar, und wir hoffen wir auf eine Ausweitung des Programms.

Dabei brauchen wir natürlich Unterstützung. Die Medikamente für ein Kind kosten etwa 250 € jährlich. Wenn Sie dabei helfen wollen: hier mehr Info´s .

In Kapiri gibt es natürlich noch einige Programme zur Vorsorge, zur Verhütung einer Infektion mit HIV. Leider ist die Website noch nicht ganz fertig, wir wollen darüber auch berichten. Schauen Sie doch in einer Woche nochmal rein...

Donica (5), die sich hier gerade von ihrer zweiten Meningitis erholt. Diese bekam sie durch ihre AIDS-Erkrankung. Nachdem sie in unser Programm aufgenommen wurde, hoffen wir, dass sich das nicht wiederholen wird.
Kachepa (8 Monate), unser erster und kleinster Kinder-AIDS-Patient. Kachepa war bei Beginn der Therapie noch nicht sehr krank, hatte aber bereits deutlich verminderte T-Helferzellen. Sein Glück ist das grosse Engagement seiner Mutter, die die Behandlung unbedingt lernen wollte. Die Behandlung wird ihn hoffentlich vor Schlimmerem schützen.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Lesitha zu Beginn der Behandlung. Eiter wird aus dem Brustkorb abgelassen

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Schwere Symptome, Kat. C. nach CDC
entspricht dem Vollbild von AIDS

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